"Distelfelder – Zeiten des Herbstes.“ Gedichte und Literaturreflexionen rumäniendeutscher Autorinnen und Autoren

Zeitraum: 06.11.2026— 08.11.2026

Kategorie: Bildung Heiligenhof

Veranstaltungsort: Der Heiligenhof - Alte Euerdorfer Str. 1 - D-97688 Bad Kissingen

Veranstaltung für historisch und literarisch Interessierte

Die rumäniendeutsche Literatur wurde einst als „Fünfte deutsche Literatur“ bezeichnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Rumänien das einzige Land in Ostmitteleuropa, welches seinen deutschen Minderheiten ein staatliches Schul- und Bildungswesen mit Kindergärten, Schulen und Studiengängen (fürs Lehr- und Pfarramt) in deutscher Sprache ermöglichte. Daneben waren Gottesdienste in deutscher Sprache erlaubt und es erschienen deutsche Bücher, Tages- und mehrere Wochenzeitungen sowie Literatur- und kulturelle Zeitschriften. Es gab Verlage für deutschsprachige Bücher und auch deutsche Theateraufführungen, tägliche Rundfunk- und wöchentlich eine Fernsehsendung. All dies war der Entwicklung einer deutschen Literatur förderlich, wobei allerdings auch eine ständige Beobachtung und Drangsalierung von ideologisch nicht gefügigen Schriftstellern, Künstlern und Intellektuellen zu dieser Wirklichkeit gehörte.

Mit der „Tauwetterperiode“ ergaben sich vor allem Ende der 1960er bis Mitte der 1970er Jahre gewissen künstlerische Freiheiten, avantgardistische Schreibtendenzen und auch eine „subversive“ Literaturszene. Hierfür eignete sich vor allem die Lyrik, Gedichte, die eine doppelbödige Lesart und Systemkritik ermöglichten. So bestand eine „rumäniendeutsche“ Literatur auch während der Ceauşescu-Diktatur fort, deren Schwerpunkte sich allerdings mit dem Aussiedlungsprozess der Deutschen und dem oft nicht ganz freiwilligen Weggang vieler Autoren allmählich in die Bundesrepublik Deutschland verlagerte und auch hier, etwa mit Oskar Pastior, Richard Wagner oder Herta Müller, sehr erfolgreich war und ist.

In dieser Kontinuität standen auch die Literaturseminare, die in den letzten Jahren regelmäßig in Bad Kissingen durchgeführt wurden, die eine gute Resonanz bei den Teilnehmern fanden und die zu einer demnächst erscheinenden Gedichtanthologie führten. Darin sind erfreulicherweise auch jüngere Schreibende vertreten, die aus Rumänien stammen, aber erst später, in der Bundesrepublik zu schreiben begannen. Diese Anthologie und die darin veröffentlichten Autorinnen und Autoren werden denn auch im Mittelpunkt des Literaturseminars stehen, das sowohl Lesungen und Vorträge literarischer Texte, wie auch Reflexionen und Diskussionen über Literatur ermöglichen soll.

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